Reportage
Was ist anders in der VR
Fast alles!

Und irgendwie auch nicht. Im Prinzip muss man sich erst mal klar machen, dass es sowas wie Fokus, Tiefenschärfe und Bildausschnitt in dieser Technik nicht gibt. Der Zuschauer legt ja selber fest worauf er fokussiert, wohin er sich dreht und was er Aufmerksamkeit schenkt.
In den nächsten Ausgaben meines Blogs werde ich jeden der folgenden Punkte genau beleuchten.

Ton? Speziell!

Da die Sichtachse und die empfundene Hörachse miteinander interagieren. Hier kommt sowohl in der Aufnahme, als auch in der Nachbearbeitung einiges an Herausforderungen auf die Sounddesigner zu. Dabei kommt eine lange bekannte aber bislang relativ selten verwendete Aufnahmetechnik zum Einsatz: Das als Binaural oder Kunstkopfstereophonie bekannte Verfahren. Das ist sozusagen die 360° Kamera für die Ohren. Dieses Verfahren ist bislang nur zur Erstellung von Inhalten, z.B. für Kopfhörer basierte Ausspielungen in Museen oder Ausstellungen und in speziellen Hörspielen zur Anwendung gekommen, da der Effekt der 360° Raumklangwahrnehmung in diesem 2 Kanal Verfahren nur bei der Wiedergabe über Kopfhörer zu erleben ist. Da in der VR Welt die Wiedergabe zumeist sowieso über Kopfhörer erfolgt, erregt dieses Verfahren zurzeit großes Interesse und Mikrofonhersteller wie Sennheiser bringen neue Lösungen auf den Markt.

Beleuchtung? Schwierig!

Also zumindest in einem 360° Vollbild. Liegt ja auf der Hand. Wohin mit den Lampen? Also ergeben sich besondere Anforderungen an die Qualität der Kamera Optiken, aber dazu in einer späteren Ausgabe mehr.

Regieanweisungen? Anders!

Der Regisseur sollte ja in den meisten denkbaren Fällen nicht im Bild auftauchen. Daher sollte eine Live Übertragung der Vorschau in einen Nebenraum oder Regietruck sichergestellt werden. Der Regisseur kann dabei dann selbst eine VR Brille tragen. Direkte Regieanweisungen sind dann über In-Ear Monitore an die Protagonisten möglich. Es werden sich Workflows am Set entwickeln, die völlig neue Wege gehen. Es wird mit Sicherheit eine Herausforderung.

 

Perspektive? Da geht was!

Die Perspektive ist hier auch was Besonderes. Man muss hierbei wissen, dass der Blickpunkt im 360 Grad Verfahren undefiniert klein ist. Das heißt: Auch wenn ich die Kamera in ein Bierglas stecke, ist der Blickpunkt des Zuschauers der einer winzigen Figur, die in einem Bierglas steht. Hieraus ergeben sich natürlich großartige Möglichkeiten, z.B. im Trickfilm.

Es ergeben sich auch Möglichkeiten für den klassischen Frontalfilm, da die Kameras zumeist auch relativ klein sind, sind neue SFX Aufnahmeverfahren möglich. Stellt Euch einfach mal vor, die Flüge durch Sci-Fi Häuserschluchten können erst durch eine Fahrt durchgeführt werden, aber anschließend kann Framing und Winkel gesteuert werden. So nach dem Motto: Ich nehme alles rundum auf und anschließend, nachdem ich alles aufgenommen habe, realisiere ich den Schwenk.

 

 

Resümee

Es ist eine neue Technologie, die unserer Branche viel Innovation abverlangen wird. Es ist vielleicht am ehesten mit den Veränderungen vergleichbar, die mit der Einführung des Farbfilms einhergingen. Plötzlich spielte Licht, Kostüm und Bühnenbild eine dermaßen große Rolle, wie man sie sich vorher nicht vorstellen konnte. Es eröffnete sich eine ganz neue Welt von Gestaltungmöglichkeiten.

Im nächsten Teil werde ich mich eingehend mit den Herausforderungen der Tongestaltung in der VR beschäftigen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer

Mike „The Tunk“ Woloszyn

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